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Musikverein Mörsch 1892 e.V. mit langer Tradition

1892 - 1918

Der Musikverein Mörsch existiert seit 1892. Damals hatten sich schon länger musikinteressierte Bürger, im wesentlichen Militärmusiker aus dem Kaiserheer, zusammengefunden und schließlich beschlossen, einen eigenen Verein ins Leben zu rufen. Die Gründungsversammlung des Musikvereins Mörsch fand dann am 12. März 1892 im ehemaligen Gasthaus Löwen in der Rheinaustraße 46 statt. 70 Mörscher Bürger traten dem Verein auf Anhieb bei. Erster Vorstand wurde Johann Gerstner, Wirt des Gasthauses "Zum Ochsen". Erster Dirigent war Hauptleherer Schilling, der eine Bürgschaft über 500 Goldmark aufnahm, um den 18 Musikern schnellstmöglich eigene Instrumente beschaffen zu können. Zudem steuerte die Gemeinde 150 Goldmark bei - unter der Bedingung, daß der Musikverein an Sonn- und Feiertagen unentgeltlich aufspielte. Bis 1914 erfreute sich der Verein allgemeiner Beliebtheit, was stetig wachsende Mitgliederzahlen belegen. Der erste Weltkrieg sorgte hier dann aber für eine Unterbrechung, da viele Musiker zum Kriegsdienst eingezogen wurden und einige von dort nicht mehr zurückgekehrt.


1918 – 1933

Nach dem ersten Weltkrieg führten die fundamentalen gesellschaftlichen Umwälzungen und politischen Spannungen in Deutschland auch innerhalb des Vereinslebens zu hitzigen Diskussionen. In den Jahren 1919 und 1920 spaltete sich der Musikverein in den bürgerlichen "Musikverein Lyra Mörsch" und den sozialistischen "Arbeitermusikverein Mörsch". Letzterer wurde vom Gründungsvorstand Johann Gerstner weitergeführt, Ochsen-Wirt und sozialdemokratischer Gemeinderat. Neben dem Löwen war damals auch der Ochsen ein Treffpunkt der sozialistischen Vereine. Vorstand des "Musikverein Lyra" war Josef Keller, der 1927 sein Amt an Franz Martin übergab. 1929 litt auch Deutschland schwer unter der Weltwirtschaftskrise, wegen der Arbeitslosigkeit wanderten mehrere Musiker nach Amerika aus. Aus finanziellen und existenziellen Nöten fusionierten der Arbeitermusikverein unter Vorstand Adolf Burkart und der Musikverein Lyra unter Vorstand Adolf Heil ihre Kapellen wieder: Am 30. März 1930 wurden diese im Gasthaus Ochsen zur "Musikvereinigung Mörsch" zusammengeführt. Dies ermöglichte es dann auch, sich im selben Jahr mit Eugen Leonhardt aus Durlach einen professionellen Dirigenten zu leisten. Bezahlt werden wollte dieser allerdings mit Naturalien. Schon damals saß man nach den Musikproben noch länger gesellig zusammen, bloß verhinderte damals die Gendarmerie die nächtliche Heimkehr nach Durlach. So kam es, daß der Dirigent oftmals beim ältesten Musiker Emil Volz nächtigte.


1933 - 1945

Ab 1933 war man zwar nicht vom Vereinsverbot der Nationsozialisten betroffen (wie der Turnverein Mörsch, der Gesangverein Bruderbund und der Radfahrverein Solidarität), aber das Vereinsleben war nur noch sehr eingeschränkt möglich und kam mit dem zweiten Weltkrieg kam es nahezu zum Erliegen. Als Teil des Westwalls war Mörsch mit 45 Bunkern und Tankgraben ausgebaut, in den letzten Kriegstagen wurde noch heftig gekämpft. Neben der Zerstörung des Ortes mußte der Musikverein Mörsch damals den Tod von 16 Musikern betrauern und den Verlust zahlreicher Instrumente und sämtlicher Noten beklagen.


1945 – 1949

Durch den Idealismus und den opferwilligen Einsatz der alten Musiker, besonders des Ehrenvorstandes Franz Maier, kam es am 5. Mai 1946 mit Genehmigung der damaligen Militärregierung zur Neugründung. Die Vorstandschaft übernahm Josef Weber bis 1949. Es war keine leichte Aufgabe, den Verein in diesen überaus schwierigen Kriegs- und Nachkriegszeiten wieder zu Ansehen zu bringen, doch gelang dies sehr gut. Der Verein bekam wieder eine spielstarke Musikkapelle, und schon bald war in Mörsch kein Fest mehr denkbar ohne die Musikkapelle.

Die 1950er Jahre

In den Jahren des Wirtshaftswunders waren zahlreiche Einwohner bereit, den Musikverein als aktives oder förderndes Mitglied zu unterstützen. Bemerkenswert ist auch, dass die im Ort tätigen Jazz- und Tanz-Kapellen sich dem Musikverein anschlossen. Ab 1950 hieß der Dirigent Hugo Bender und leitete ab 1957 auch das neu gegründete Kinderblasorchester. Dieses wurde weit über Karlsruhe hinaus bekannt und errang bei Wertungsspielen höchste Auszeichnungen. Im Jahre 1951 benannte sich der Verein um und führt seitdem anstelle "Musikvereinigung Mörsch" wieder den alten Namen "Musikverein Mörsch", der später noch um das Gründungsjahr und den Zusatz e. V. ergänzt wurde.


Die 1960er Jahre

1965 übergab Hugo Bender den Taktstock an Bela Filipan. Auf diesen folgte dann 1968 Bundesmusikdirektor Friedel Moritz, der bis 1988 Dirigent war und so 20 Jahre das Orchester des Musikvereins prägte. Auch in den 1960er Jahren war keine örtliche Veranstaltung denkbar ohne den Musikverein. Einen gute Einblick in diese Zeit gibt der 1963 von der Schmalfilmgruppe der Naturfreunde gedrehte Mörscher Heimatfilm.


Die 1970er-Jahre

In den 1970er-Jahren war der Musikverein Mörsch in nah und fern überaus aktiv. So wurden in diesem Jahrzehnt freundschaftliche Bande zur Eisenbahnerkapelle Varazdin / Koatien geknüpft. Dazu kamen Kontakte zu anderen Orchestern im europäischen Ausland. Das Engagement einiger Musiker reichte sogar noch über dieses Pensum hinaus, was sich in diesem Jahrzehnt mit der Gründung verschiedener Ensembles zeigt: 1973 wurde die Tanzkapelle Franz Neu wieder ins Leben gerufen, und seit 1974 gab es die Original Rheinau-Musikanten unter der Leitung des ersten Trompeters Hans Moritz. Deren Klang ist auf verschiedenen Langspielplatten verewigt, die manch älterer Mitbürger noch in seiner Musiktruhe hütet.


Die 1980er-Jahre

Im Januar 1980 mußte Vorstand Ewald Burkart altersbedingt sein Amt niederlegen. Er hatte den Verein mit Unterbrechungen seit 1949 geführt und sich große Verdienste erworben. Beim Konzert im April 1980 wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Leider konnte er sich nicht lange dieser Auszeichnung erfreuen, denn kurz vor Weihnachten 1980 verstarb er. Sein Nachfolger Gerhard Sattler organisierte 1982 die Feier zum 90-jährigen Jubiläum des Musikvereins, das gleichzeitig das erste Verbandsmusikfest des Blasmusikverbandes Karlsruhe war und rund um das 1976 erbaute Mörscher Festzelt stattfand. Über 4 Tage war dies ein riesiger Erfolg: Es wurden Wertungsspiele auf höchstem Niveau durchgeführt, im ganzen Ort gab es Platzkonzerte, es gab einen Sternmarsch von 59 Kapellen und einen Massenchor mit 5.000 Musikern. Beteiligt waren insgesamt 98 Kapellen aus Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich, Italien und der Tschechoslowakei, zum krönenden Abschluß spielte Walter Scholz. Im Jahr 1983 wurde das erste Mörscher Oferöhrlefescht auf dem Festplatz durchgeführt, an dem sich der Musikverein Mörsch stets beteiligte. Im Jahr 1985 hatte das Rheinstettener Gemeinschaftskonzert Premiere, das in lockerem Rhythmus von den Musikvereinen Forchheim, Mörsch und Neuburgweier durchgeführt wird.


Die 1990er-Jahre

1992 konnte der Musikverein Mörsch sein 100-jähriges Jubiläum feiern. Zu diesem Anlaß wurde der Musikverein mit der Pro-Musica-Plakette geehrt, eine Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Diese wurde 1968 durch den damaligen Bundespräsienten Heinrich Lübke gestiftet. Seitdem wird sie vom Bundespräsienten vergeben an Musikvereinigungen, die sich "erfolgreich der Pflege der instrumentalen Musik gewidmet und künstlerische oder volksbildende Verdienste erworben" haben, so der Erlaß wortwörtlich. Vorstand in diesem Jahrzehnt war Viktor Burkart, der das Amt 1984 überhahm und bis 2006 innehatte.


Die 2000er-Jahre

Im Jahre 2000 wurden innerhalb des Musikvereins Mörsch die "Seniorenbläser Rheinstetten 50plus" ins Leben gerufen.Ursprünglich sollten diese dazu dienen, mit pensionierten Musikern die Begleitung von immer früher stattfindenden Beerdigungen garantieren zu können. Nach und nach hat sich diese Gruppe einen festen Stamm von Auftritten erspielt und im Verein fest etabliert.

Im Jahre 2005 drohte der Bernhardushalle als langjährigem Probelokal des Musikvereins der Abriß. Die katholische Kirche als Eigentümerin hatte nach Neubau ihres Pfarrheims keine Verwendung mehr dafür und wollte die Immobilie verkaufen, was die Errichtung von Wohnblöcken bedeutet hätte. Gemeinsam mit dem Männergesangsverein Eintracht entschloß sich der Musikverein daher, die Bernhardushalle zu erwerben. Nach Kontroversen im Gemeinderat unterstützte die Stadt Rheinstetten das Projekt. Somit blieb die Bernhardushalle vom gleichen Schicksal verschont wie ihr historischer Gegenpol, das 2004 abgerissene Volkshaus. Allerdings brachte der Erwerb für beide Vereine auch ganz neue Probleme mit sich: Das historische Gebäude befand sich in einem maroden Zustand und die Gaststätte war nicht verpachtet. Zur gemeinsamen Verwaltung der Immobilie gründeten beide Vereine die gemeinnützige GmbH Bernhardushalle, vom Musikverein wurde Viktor Burkart und vom Männergesangsverein wurde Alfred Peitz als Geschäftsführer gestellt. In über 5.000 Arbeitsstunden wurde das Probelokal renoviert, und durch Konzerte und Festveranstaltungen mit neuem Leben gefüllt. Das neue Jahrtausend gilt ja vielen als Zeitalter der Medien und diesen Trend ging auch der Musikverein mit: Seit 2005 ist der Musikverein im Internet vertreten, und seit dem Jahr 2007 gibt es die eigene Vereinszeitung "Musikverein aktuell". Seit 2008 verfügt der Musikverein Mörsch über einen eigenen Anhänger.


Die 2010er-Jahre

Seit dem Jahr 2010 gibt es durch eine Satzungsänderung nun drei gleichberechtigte Vorstände in den Bereichen Organsisation, Finanzen und Orchester. Dadurch wird die Verantwortung nun auf mehrere Schultern verteilt. Musikalisch geprägt wurde das Jahrzehnt von den Dirigenten Michael Hamburger (2006 – 2010 und 2015 – 2016), Stefan Mußler (2010 – 2015) und seit 2016 Ulrich Herbst, der dann auch zum 125-jährigen Jubiläum die Stockführung innehat.

Ebenfalls in die 2010er-Jahre fallen Kooperationen mit den Mörscher Grundschulen. Im Rahmen von Bläserklassen sollen Kinder an Instrumente herangeführt werden. Auch wenn sich der Musikverein Mörsch im neuen Jahrtausend gesellschaftlichen Trends nicht verschließen kann und die vielgenannte Bindungsangst der Generation Y, Mobilität im Berufsleben und vielfältige Konkurrenz im Freizeitbereich drohen, soll so die weitere Existenz gesichert werden.

Die seit 2011 bestehende Kooperation mit der Pestalozzi-Grundschule wurde vom vom Land Baden-Württtemberg und vom Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) ausgezeichnet.

In seinem Jubiläumsjahr 2017 präsentiert sich der Musikverein Mörsch als aktiver Verein, der von seinem Zusammenhalt lebt. In seiner 125-jährigen Geschichte hat er allen Widrigkeiten getrotzt und kann so zuversichtlich in die nächsten Jahre und Jahrzehnte blicken.